11. Juli 2017

Platz 1: Urban Farm – Kevin Coellen

Text und Fotos von Kevin Coellen

Im Jahre 2050 werden 75% der Weltbevölkerung in Städten oder urbanem Raum leben, dies ist die Folge einer seit der Industriellen Revolution anhaltenden Landflucht. Dementsprechend wird zu diesem Zeitpunkt auch 75% des Bedarfs an Lebensmitteln aus den Städten kommen, der Großteil der Anbauflächen wird jedoch weiterhin im ländlichen Raum überall in der Welt verteilt sein. In der heutigen Zeit finden wir in Supermärkten Obst, Gemüse und andere Lebensmittel mit tausenden von Kilometern auf dem metaphorischen Tacho, da sie von allen Kontinenten der Erde zu uns gebracht werden. Die Selbstverständlichkeit, immer eine große Auswahl an Lebensmitteln zu jeder Jahreszeit zu haben ist sehr angenehm, wenn man jedoch darüber nachdenkt, was allein der Transport von diesen Lebensmitteln für die Umwelt bedeutet, sieht diese Realität schon wieder anders aus.

Eine Lösung für dieses Problem, ist die Anbauflächen für Lebensmittel von den ländlichen Bereichen in die Städte zu bringen, um dadurch die Lieferwege zu minimieren. Ein Ansatz für dieses Problem bietet die ‚New Farm‘ eine Urbane Farm in Den Haag; auf dem Dach des ehemals leerstehenden Bürohauses thront majestätisch das Herzstück der Farm, das Gewächshaus in welchem Salat, Tomaten, Auberginen, Paprika und Gurken angebaut werden. Die Ernte wird an umliegende Restaurants und auf dem hauseigenen Markt verkauft, mit einem durchschnittlichen Lieferweg der ‚Urban Farm‘ Lebensmittel von 5 km, verglichen zu den eben genannten Lieferwegen im Supermarkt, ist dies eine komplett andere Liga. Eine Bar mit kleinen Gerichten aus den selbst hergestellten Lebensmitteln, und einem unvergleichlichen Blick über die Stadt, rundet einen Marktbesuch bei den ‚Urban Farmers‘ ab. Eine Überraschung bietet sich in der Etage unter dem Gewächshaus in welchem sich eine Fischfarm mit Pangasius befindet. Das sogenannte Aquaponics System verbindet Fischzucht und Gemüseanbau, indem es das Nährstoffreiche Wasser der Fische in einem zirkulären System an die Pflanzen weiterleitet, welche das Wasser reinigen und es dann zurück in die Fischbecken geben. Dieses System spart über 90% Wasser im Vergleich zu zwei getrennten System.

Das Urban-Farm ist ein Lösungsansatz für verschiedene Probleme: Lange Lieferwege für Lebensmittel, fortschreitende Urbanisierung, Nutzung von bisher ungenutzten Flächen (vor allem Dächer) und verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen, insbesondere Wasser. Darüber hinaus werden auch sozioökonomische Probleme angegangen, durch Rundgänge und Schulungen lernen Kinder und Erwachsene, aus den eher ärmlichen umliegenden Stadtteilen über die Vorteile von lokalen Lebensmitteln und gesundem Essen, und haben im Anschluss die Möglichkeit, bezahlbare hochwertige und gesunde Lebensmittel auf dem hauseigenen Markt einzukaufen.